| Von Blicken, die küssen |
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Eine Art
von Beginn in der Arbeit über meine Erfahrung mit Brustkrebs finde ich im
Schreiben über die Freude, die es mir gemacht hat, für die Fotografien von
Sandra Ehlert Model zu sitzen. In diesem Beginn steckt das in dieser Freude
sich entfaltende Glück über den Blick, die mir diese Fotografien zurückgeben,
wenn ich sie betrachte. Es ist ein sanfter Blick. Ein Blick der sich
konstituiert aus der doppelten Bewegung Anteil nehmender Wahrnehmung und
äußerster, distanzierter Aufmerksamkeit für den Bereich des Verletzlichen, den
er berührt. Der Blick von Sandra Ehlers ist ein Blick, der meinen Schmerz über den Verlust meiner linken Brust und mein Empfinden für meinen veränderten Körper in eine zärtliche Schwebe nimmt. Ich kann mich als Betrachterin meiner selbst zwischen den abgelichteten Blicken, die Lichtblicke sind, bewegen und finde mich wieder. Ich finde von meinen Befindlichkeiten und Nachdenklichkeiten etwas auch wieder in dem Verfahren der verfremdenden Darstellung, die die Hypnose der Emotionen Mitleid oder Furcht oder Impulse des Abgestoßenseins bricht, die das Dargestellte auslösen kann. Die Darstellungsweise weist in einen Bereich über den Schmerz hinaus und den Betrachter auf sich selbst zurück, der vor der Entscheidung steht, die Hinwendung zu einem lustvollen Blick auf einen gemeinhin als entstellt geltenden Körper mit zu vollziehen. Die Erotik, die die Fotografien abbilden, schenkt mir den Moment der Bestätigung und Wieder-Kennung eines erotischen Blickes auf mich. Ein Blick, der den Blick in den Spiegel ergänzt zu schöner Selbstvergewisserung. Es ist eine durch die Mastektomie nicht abhanden gekommene Erotik. Diese Erotik zu dokumentieren, ist der schöne Mut dieser Fotografien, die sich nicht damit begnügen, äußerlich zu bleiben in der puren Dokumentation der Einbrüstigkeit. Sie dringen in das Innerste der Hölle, in die mich die Diagnose Brustkrebs befördert hat. Sie dringen vor an die Grenze dessen, was wir gewohnt sind, als selbstverständliches Bild vom Körper zu akzeptieren. Und es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass andere für uns das Bild machen, von dem wir im Allgemeinen ausgehen. Es gibt Blicke die töten. Es gibt Blicke die versteinen. Und es gibt Blicke, die küssen. Von diesen Küssen berichten diese Fotografien. Und wenn ich mich selbst auf diesen Bildern betrachte, scheint der Kuss, den der Blick von Sandra Ehlert durch die Ausweitung ihres Auges, dem Objektiv der Kamera, auf mich warf, sich zu vervielfältigen in einen Kuss und eine Zärtlichkeit, die ich auf mich selbst werfe. |
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