Das Projekt

torso EINLEITUNG


Wir möchten anfangs einen Text zitieren, der auf den Weg weist, den wir mit diesem Projekt gehen möchten.

Von Blicken, die küssen - siehe hier

Wir denken, es ist diesem Text auch zu entnehmen, welcher Sehnsucht der Wunsch an einer Arbeit zum Thema des versehrten Körpers entspringt. Die Realität der Blicke auf versehrte Körper ist eine Realität, die verschleiert wird. Ein Ort des Sprechens zu diesem Thema sind u.a. die Disability Studies, die mit ihrem theoretischen Werkzeug ein gutes Instrumentarium für unser Projekt sind. Dieser Studiengang, der auch in Deutschland gelehrt wird, der seinerseits an der Beschreibung öffentlicher Blicke auf versehrte, ‚entstellte’ Körper arbeitet und entsprechende Lösungsvorschläge für verschiedene Lebensbereiche umfassend darstellt, werden als gesellschaftspolitischer Hintergrund unseres Themas deutlich konturiert Eingang in unsere Arbeit finden.

Ein weiterer Ansatz unserer Arbeit ist, dass das Thema Brustkrebs in der Öffentlichkeit kaum verhandelt wird. Angesichts der Zahlen, die Ihnen ja auch vorliegen, ist dieses Faktum ein Skandal. Solange es jedoch keine öffentlichen Bilder von den physischen Erscheinungen, die oft genug als „Entstellungen“ apostrophiert werden, der Krankheit gibt, werden Frauen, die sich Brustkrebsbehandlungen unterziehen müssen, ihren Körper schamvoll verstecken. Da jedoch keine Frau sich ihres Überlebenskampfes und ihres Überlebens schämen bräuchte, müssen Möglichkeiten geschaffen werden, in denen über die Erkrankung und über die mit der Erkrankung einhergehenden, sich ändernden Körperlichkeiten berichtet wird.



INTENTION

"Spieglein, Spieglein... - Brustkrebs als bedrohung der Konstruktion weiblicher Schönheitsideale" soll als Wanderausstellung realisiert werden.
In Deutschland erkrankt jede Neunte Frau an Brustkrebs. Zunehmend sind auch junge Frauen betroffen. Pro Jahr sterben 19.000 Frauen an den Folgen dieser Krankheit. Das sind täglich etwa 52 Frauen. Anders gesagt, stirbt in Deutschland alle 27 Minuten eine Frau an Brustkrebs. Die Zahlen werden Ihnen geläufig sein.

Angesichts dieser alarmierenden Zahlen ist es erstaunlich, wie wenig dieses Thema in der Öffentlichkeit behandelt wird. Der Abwesenheit der Gespräche über diese Erkrankung korrespondiert die Abwesenheit von Bildern, die mögliche physische Erscheinungsbilder dokumentieren. Die ästhetische Form dieser bebildernden Dokumentation ist da beliebig. Es gibt kaum Filme, die dieses Thema erzählerisch aufnehmen, kaum Fotografien, die im öffentlichen Raum kursieren, kaum bildende Kunst, die sich der versehrten Körper annimmt.

Der Neurobiologe Manfred Spitzer sagte einmal in einer Talkrunde: „Unser Gehirn abstrahiert Regeln.“ Das bedeutet, bezogen auf unsere Wahrnehmung des Körpers, dass wir aus den sichtbaren Verfassungen der Körper in Fernsehen, Kino, Presse das Bild des ‚normalen’ Körpers in unserem Gehirn erschaffen. Wir machen also eine Regel aus dem, was wir am häufigsten zu sehen bekommen. Aus dieser Regel leiten wir das Schönheitsideal ab. Dieses Ideal konstruiert weibliche Schönheit mit ausschließlich zwei Brüsten.

Im Umkehrschluss ließe sich jedoch sagen: Würden wir vermehrt Bilder auch von versehrten, normativ eben nicht als ‚schön’ geltenden, Körpern sehen, könnten wir in unsere abgeleitete Regel vom schönen Bild des Körpers diese auch einbeziehen. Dann könnte unsere Vorstellung von weiblicher Schönheit ein vielfältigeres sein, dass auch die einbrüstige Frau einzubeziehen vermag.

Frauen, die an Brustkrebs erkranken, sehen sich nach der operativen Entfernung des Tumors in einer körperlichen Krise. Im Spiegel werden die ungleichen Brüste oder die amputierte Brust zur Problemzone. Brustaufbau scheint für das Selbstwertgefühl der Betroffenen und für ihr Selbstbild als Frau die einzige Möglichkeit, ihre körperliche Vollwertigkeit wieder herzustellen. Diese Haltung ist nicht anzugreifen. Sie stellt jedoch nicht den letzten Schluss dar, sondern eine Möglichkeit unter anderen. Es gibt auch die Frauen, die nach dem operativen Eingriff ohne kosmetische Operation leben. Unter diesen Frauen gibt es auch diejenigen, die nach einer Amputation ohne Brustaufbau leben. Diese Frauen haben einen weniger attraktiven Weg gewählt. Attraktiv versteht sich hier im Sinne von verlockend, denn sie sind einem öffentlichen Blick ausgesetzt, der ihr Erscheinungsbild als deformiert und eben nicht erotisch definiert. In einer Zeit, in der die kosmetische Chirurgie als Ergänzung der täglichen Hygiene betrieben wird und betroffene Frauen Sätze wie „Aber da kann man doch heute soviel machen!“ als Heilsversprechen zu hören bekommen, ist es ein kleiner Kampf um die eigene Entscheidung gegen den kosmetischen Eingriff. Es ist auch ein Kampf um den Satz, dass eine operative Korrektur gar nicht das Problem ist, dass die Krebserkrankung aufwirft. Diese wirft nämlich viel dringender das Problem der Sterblichkeit und der Qualität des eigenen Lebens auf.
Diesem öffentlichen Blick, der proportionale Brüste zu den wesentlichen Eigenschaften einer Frau zählt und der sich in präziser Abgrenzung gegen einen versehrten Körper konstruiert, möchte unsere Ausstellung andere Bilder aus anderen Blickweisen entgegensetzen. Wir zeigen Bilder, die eine junge, von Brustkrebs betroffene Frau zeichnete und Fotografien, die eine befreundete Fotografin nach den Therapien, im Zuge derer ihr eine Brust amputiert wurde, von ihr und 2 anderen Frauen anfertigte.

Das Projekt versteht sich gemäß eines diesem Thema selbst-verständlich innewohnenden Bildungsauftrages als aufklärende Plattform, dass die Beschäftigungen um die Komplexe Brustkrebs, Brüste, Blicke und Schönheit intermedial durch Fotografie, Malerei, Film und Sprache präsentierten möchte.


BEGLEITENDE FILME

"Die Beunruhigung" von Lothar Warnecke Eine geschiedene Psychologin Ende 30 erfährt, dass sie am nächsten Tag wegen Brustkrebs operiert werden muss, sie lässt ihr Leben Revue passieren. 1 Film über eine Lebensanalyse angesichts des möglichen Todes
Rechte und Videokopie bei Progress Film Verleih

"Überleben - Heilsame Geschichten vom Krebs" von Monika Kirschner Dokumentation, die in verschiedene Städte führt, in denen Frauen von ihrer ERkrankung und ihrem Leben nach der Diagnose erzählen. Eins ist allen mit KRebs konfrontierten Menschen gemeinsam: Es gibt keine Sicherheit und die Diagnose Krebs führt sie in ein neues Leben. Manchmal schlechter, manchmal besser - aber immer anders.
Rechte und Videokopie bei TagTraum Produktion

"Leben mit Krebs" von Monika Kirschner Wie das Leben mit Krebs wirklich ausieht, wird nur selten hinterfragt und diskutiert. Patientinnen, deren Erkrankung "günstig verläuft", werden im Feature über ihre Erfahrung mit der Krebserkrankung reden. Sie zeigen Wege zu einem selbstbestimmten Umgang mit dieser Krankheit auf. Auch die Schauspielerin Hildegard Knef nimmt in einem Gespräch mit der Autorin Stellung.
Vertrieb und Schutzgebühr bei der Krebshilfe

"Geschlecht: weiblich" von Dirk Kummer Dina, allein erziehende Mutter einer renitenten Teenagertochter und zurzeit extrem erfolglose Immobilienmaklerin, managt ihr chaotisches Leben mit ungeheurer Energie. Die Mittdreißigerin ist entschlossen, die große Liebe zu finden und gleichzeitig alle ihre finanziellen Probleme zu lösen. Als sie Mika kennen lernt, angeblich aus rumänischem Adel, scheint ihr Traummann in greifbare Nähe gerückt. Doch noch bevor die frisch verliebte Dina herausfinden kann, ob das Wunder Mika wirklich hält, was es verspricht, wird ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt: Bei der Vorbereitung für eine Schönheitsoperation stellt der Arzt fest, dass Dina Brustkrebs hat. Viel zu lange schlägt sie sich mit der Krankheit allein herum und verzichtet auf die Unterstützung ihrer Freundinnen. Auch Bea, Roberta und Gretchen, genau wie Dina auf der Suche nach ein wenig Boden unter den Füßen, kämpfen um die Verwirklichung ihrer Sehnsüchte und Lebenswünsche. Besitz der Rechte und Vertrieb ist uns noch unbekannt

"Murder and Murder" von Yvonne Rainer Beziehung zweier älterer Frauen und deren Konfrontation mit Brustkrebs. Die Regisseurin taucht gelegentlich im Film auf, um den Gang der Handlung durch die die Asymmetrie ihres brustamputierten Oberkörpers und Fragen über die politische Dimension von Brustkrebs zu unterbrechen.
Rechte und Videokopie bei Zeitgeist Films N.Y.

"Haut les Coeurs!" von Solveig Anspach Solveig Anspachs Drama erzählt die Geschichte eines Krieges: «Der Krieg wird geführt von der jungen schwangeren Frau Emma. Das Schlachtfeld ist ihr eigener Körper. »Haut les coeurs!« spricht über Krebs, und wie diese Krankheit die Weiblichkeit beschädigt und die Liebe verwandelt.» Als Emma ihr erstes Kind erwartet, erfährt sie, dass sie Brustkrebs hat. Ihr Arzt rät ihr zum Schwangerschaftsabbruch, da er die Bekämpfung ihrer Krankheit mit einer Schwangerschaft für unvereinbar hält. Emmas Freund Simon ermutigt sie dazu, einen anderen Spezialisten, Dr. Morin, zu konsultieren, der es für möglich hält, die Behandlungen während der Schwangerschaft fortzusetzen. Emma gewinnt das Vertrauen zurück. Ihr Körper, der ihr die Kräfte zu versagen drohte, wird wieder ein Ort des Lebens. Doch nun muss sie für zwei kämpfen.
Besitz der Rechte und Betrieb ist uns noch unbekannt

"Busenfreundinnen" von Gabriele Schärer Film über zwei Freundinnen im Schwimnmbad, die sich dem Thema Brustkrebs über ihre eigene Betroffenheit, bzw. Glück der Verschonung nähern. Vertrieb bei mamazone e.V.
Rechte bei der Regisseurin(?)

"The Edge of Each other's Battle: The Vision of Audre Lorde" von Jennifer Abod Dokumentation zum Leben von Audre Lorde: ihren politischen Aktivitäten, ihrer literarischen Arbeiten, ihrer Brustkrebserfahrung, ihrem Kampf gegen Brustkrebs, ihrer Provokation und Selbstprovokation.
Rechte und Videokopie bei der Regisseurin

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